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Der Waffenstillstandswaggon


Als Waffenstillstandswaggon oder auch „Waggon von Compiègne“ wird der ehemalige Speisewagen mit der Nummer 2419 D (D = dîner) bezeichnet. Zum Ende des Ersten Weltkrieges wurde er zum Konferenzraum umgebaut, in dem im November 1918 die Beendigung der Kampfhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich vereinbart wurde. Mehr als 100 Jahre sind seit dem, nicht nur für Deutschland, folgenschweren Waffenstillstand vergangen, der nachhaltige Veränderungen in unserer Welt bewirkte.

 

Am 11. November 1918 endete mit den Waffenstillstandsverhandlungen im Wald von Compiègne der Erste Weltkrieg. Die Friedensbedingungen des Versailler Vertrages waren neben dem durch diesen mörderischen Krieg verursachten Elend bestimmend für die weitere politische Entwicklung Europas. Der Eisenbahnwaggon war danach gleichzeitig Symbol für den Sieg auf der einen und das Symbol für die Niederlage und so genannte Schmach auf der anderen Seite zweier europäischer Nachbarn.

 

Am 21. Juni 1940 mussten Regierungsvertreter Frankreichs im gleichen Eisenbahnwaggon die erneuten, dieses Mal entgegengesetzten Waffenstillstandsbedingungen des Deutschen Reiches in Empfang nehmen.

 

Der Waggon wurde danach als Kriegsbeute nach Berlin verbracht. Nach unbestätigten Angaben wurde der Waggon nach den öffentlichen Zurschatellung vor dem Alten Museum am Berliner Lustgarten (1941 & 1942) immer wieder auf einem Nebengleis am Anhalter Bahnhof abgestellt. Dort soll er nur knapp der Zerstörung durch alliierte Luftangriffe entgangen sein. Dies, und sein anschließendes Verschwinden, ist wohl auch der Grund dafür, dass man in Frankreich nach Kriegsende davon ausging, dass der Waggon in Berlin tatsächlich zerstört wurde. Die französische Besatzungsmacht konnte jedenfalls keine Spur entdecken. 

 

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges ging auf seine letzte, geheime Fahrt. Sie endete im Raum Thüringen, der vom nationalsozialistischen Regime als ein letztmögliches Rückzugsgebiet vor den alliierten Armeen vorbereitet wurde. Zu diesem Zweck wurde auch ein Führerhauptquartier vorbereitet.

 

Am 1. April 1945 traf der Waggon in Crawinkel ein - an seiner letzten Station, seinem letzten Bahnhof.

 

Am 12. April 1945 wurde der Waffenstillstandswaggon vermutlich im Wald zwischen Crawinkel und Ohrdruf zerstört. Zeitzeugen und Sachzeugnisse haben diese Tatsache bestätigt.

  

Die lange Reise des Waffenstillstandswaggons durch die Geschichte Europas, seine wechselvollen Nutzungen sowie die Hintergründe für seine letzte Fahrt gehören nicht nur in regionale Geschichtsbücher. Seine Zerstörung steht mittlerweile als Symbol für Frieden sowie die Versöhnung und Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland. Zu Recht wird der ursprüngliche Speisewagen als der berühmteste Eisenbahnwaggon der Welt bezeichnet. Durch seine Zerstörung verschwand der historische Ort für Waffenstillstände, das gemeinsame, gegensätzliche Symbol für Siege, Niederlagen, Erniedrigungen sowie Vergeltung und Revanche.

 

Die französische Nation sieht im „Waggon von Compiègne“ eines ihrer wichtigsten, historischen Monumente. 

 

(c) K.-P. Schambach

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