In Deutschland wurde die Erleichterung über das Kriegsende von anderen Gefühlen verdrängt: Weite Kreise betrachteten den 11. November 1918 als Tag der Schande. Konservative und radikale Nationalisten machten die nun zur Macht gekommenen Demokraten für die Kriegsniederlage verantwortlich. Die Dolchstoßlegende (auch Dolchstoßlüge) war eine von der deutschen OHL in die Welt gesetzte Verschwörungstheorie, welche die Schuld an der von ihr verantworteten militärischen Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg vor allem auf die Sozialdemokratie und andere demokratische Politiker abwälzen sollte. Sie besagte, das deutsche Heer sei im Weltkrieg „im Felde unbesiegt“ geblieben und habe erst durch oppositionelle „vaterlandslose“ Zivilisten aus der Heimat einen „Dolchstoß von hinten“ erhalten. Antisemiten verknüpften „innere“ und „äußere Reichsfeinde“ dabei zusätzlich mit dem Trugbild vom „internationalen Judentum“.
Die deutsche Waffenstillstandskommission ersparte jedoch der Armeeführung in Wirklichkeit die Schmach, die Verantwortung für die Niederlage übernehmen zu müssen. Matthias Erzberger erhielt für seinen schweren Gang nach Compiègne niemals den Dank der Nation. Vielmehr wurde er zur bevorzugten Zielscheibe der verlogenen Dolchstoßlegende. „Die Kugel, die mich treffen soll, ist schon gegossen“, vertraute er nach einem erfolglosen Attentat seiner Tochter Maria an.
26. August 1921 - Zwei Angehörige der rechten Organisation Consul, des Freikorps Oberland und des Germanenordens erschossen Erzberger in Bad Griesbach im Schwarzwald bei einem Spaziergang aus nächster Nähe.
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