Berlin - Nach unbestätigten Angaben wurde der Waggon nach den öffentlichen Präsentationen vor dem Alten Museum am Berliner Lustgarten (1941 & 1942) immer wieder auf einem Nebengleis am Anhalter Bahnhof abgestellt. Dort soll er nur knapp der Zerstörung durch alliierte Luftangriffe entgangen sein. Dies, und sein anschließendes Verschwinden, ist wohl auch der Grund dafür, dass man in Frankreich nach Kriegsende davon ausging, dass der Waggon in Berlin tatsächlich zerstört wurde. Die französische Besatzungsmacht konnte jedenfalls keine Spur entdecken.
Beginn der Geheimen Fahrt - Doch der Waggon wurde bei den Luftangriffen nicht zerstört und Ende 1944 begann seine letzte, geheime Fahrt in das Zentrum des 3. Reiches. Diese endete im Raum Thüringen, der vom nationalsozialistischen Regime als ein letztmögliches Rückzugsgebiet vor den alliierten Armeen vorbereitet wurde. Im Jonastal zwischen Crawinkel und Arnstadt wurde zudem eine unterirdische Führungsstelle für das Führerhauptquartier angelegt.
Sperenberg - Ende 1944 stand der Waggon plötzlich sicher in Sperenberg und diente nach Erinnerungen von Zeitzeugen Schulklassen als Anschauungsobjekt. Der Ort liegt an der Bahnstrecke der Königlich-Preußischen Militäreisenbahn, die am 15.10.1875 zwischen Berlin-Schöneberg und dem Schießplatz Kummersdorf eröffnet wurde. Die Eisenbahnstrecke diente ursprünglich der Ausbildung von Soldaten eines neu gegründeten Eisenbahnregiments. An die Strecke waren auch die Kasernen und der Truppenübungsplatz von Zossen-Wünsdorf, später Hauptquartier des Oberkommandos des Heeres (OKH) mit dem Decknamen "Zeppelin", angeschlossen.
Das Hauptquartier des OKH mit dem Decknamen "Olga" in Ohrdruf war die Ausweichführungsstelle für das OKH beim Angriff auf Polen am 1. September 1939 und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges. Dieser verbrecherische Angriffskrieg hätte bereits zu diesem Zeitpunkt auch bedingt von Ohrdruf aus geführt werden können.
Ab 13.02.1945 wurden Teile der Kommandantur, Stabspersonal und Nachrichtentruppen heimlich nach Ohrdruf verlegt, um Ohrdruf auf den Umzug aus Zossen vorzubereiten. Allein durch diesen Sachverhalt und die Verbindungen und Bedeutung der Heeresstandorte Zossen und Ohrdruf lässt sich durchaus eine Verantwortung des OKHs beziehungsweise Heerestransportwesens für den Waggon während des Krieges ableiten.
Ruhla - Ebenfalls mit Ende des Jahres 1944 gab der Zeitzeuge Fritz Kürschner, Stellvertreter des Bahnhofvorstehers, die Ankunft des Waggons in Ruhla/ Thüringen an. Aus dem Decknamenverzeichnis zur Verlagerung des OKHs in den Raum Ohrdruf geht aus einem Schreiben des Generalstabs des Heeres vom 26.02.1945 der Deckname Rudolf für diese Kleinstadt hervor, in der auch mehrere Rüstungsbetriebe angesiedelt waren. Der amerikanischen Aufklärung lagen Informationen vor, dass Ruhla als Ausweichstelle für das Rüstungsministerium vorbereitet wurde. Ende Februar 1945 besichtigte Herr Kürschner zusammen mit seiner Frau den Waggon, bevor die Überführung nach Gotha erfolgte. In dieser Zeit wurde die Bewachung durch SS kurzzeitig eingestellt und der Waggon ebenfalls durch Zwangsarbeiterinnen nach Kleidung und Essbarem durchsucht.
Gotha - Ende Februar/ Anfang März 1945 besichtigte der ehemalige Lokführer Erich Benser den Waggon gemeinsam mit seinem Großvater, der damals Bahnhofvorsteher in Gotha war. Der Waggon stand zu diesem Zeitpunkt auf dem Stumpfgleis 46 westlich der Güterabfertigung im Bereich der überdachten Außenladerampen. Zusätzlich waren noch Tarnnetze angebracht. Der Waggon wurde durch 4 Angehörige der Waffen-SS bewacht und dessen Innenausstattung war einschließlich Tisch mit Dokumenten unter Glas noch vollständig. Eine weitere Besichtigung beschrieb der Angestellte der Bahnmeisterei Gotha, Herr Guido Kühnhold, im gleichen Zeitraum.
Ohrdruf - Zeitzeugen sichteten den Waggon im Bahnhofsbereich ebenfalls Ende März 1945.
Crawinkel - Der am Bahnhof Crawinkel tätige Eisenbahner Gustav Erich erinnerte sich, dass Ende März 1945 der Sonderzug Kesselrings sowie der Waffenstillstandswaggon im Bereich der Gleisanlagen der Muna abgestellt wurden. Dies deckt sich auch mit dem Befehl zur Verlagerung der OKH Teile aus Ohrdruf in das Berchtesgadener Land an den Königssee beginnend zum 30. März 1945. Unter dem Decknamen „Serail“ wurde in Nachbarschaft zum Obersalzberg eine Bunkeranlage geplant. Der Waggon blieb durch die Kriegswirren und den überstürzten Abzug in Crawinkel zurück und wurde hier zerstört. Der kleine Ort Crawinkel wurde daher zur letzten Station des Waffenstillstandswaggons.
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