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11. November 1918 - Waffenstillstand


In einem Eisenbahnwaggon wurde Geschichte geschrieben - Nach dem Scheitern der Deutschen Frühjahrsoffensive 1918 gewann die Triple Entente (Alliiertes Bündnis Frankreich, Großbritannien und Russland) mit Verstärkung durch US-amerikanische Truppen an der Westfront endgültig die Oberhand. Gleichzeitig verschlechterte sich auch an der Ostfront durch den Zusammenbruch Bulgariens die Lage für das Deutsche Reich erheblich. Die deutsche Oberste Heeresleitung (OHL) kam daher zu der Erkenntnis, dass der Krieg militärisch nicht mehr zu gewinnen war. 

 

08. August 1918 - Seit die Alliierten eine Schlussoffensive gegen das Deutsche Reich lancierten, befürchtete die Militärführung den Zusammenbruch der Verteidigung und ein Vordringen feindlicher Truppen auf das Reichsgebiet. Um dem zuvorzukommen, forderte die OHL die deutsche Regierung auf, Waffenstillstandsverhandlungen mit den Alliierten zu führen.

 

04. Oktober 1918 - Die Reichsregierung übermittelte das deutsche Waffenstillstandsgesuch an den Präsidenten der USA, Woodrow Wilson. Dies war das Eingeständnis des militärischen Bankrotts.

 

07. November 1918 - Nach wochenlangem Schriftwechsel über die Umstände reiste eine deutsche Verhandlungsdelegation unter Führung von Staatssekretär Matthias Erzberger mit Pkws nach Frankreich. Als sie die Frontlinie erreichten, mußten sie in einen bereitgestellten Zug umsteigen. Das Fahrtziel war zu diesem Zeitpunkt unbekannt.

 

Compiègne - Als Ort für die Verhandlungen wurde die Lichtung im Wald von Compiègne ausgewählt. In der Nähe befand sich das französisch-alliierte Oberkommando. Die Verhandlungen sollten ungestört und unbemerkt von der Öffentlichkeit möglichst abseits von Siedlungen stattfinden. Daher entschied man, als Räumlichkeiten auf offener Strecke abgestellte Züge zu nutzen. Die Bahngleise, die bereits über die Lichtung verliefen, stammten von einer zweigleisigen Nebenstrecke, die im Ersten Weltkrieg zur Vorbereitung der Nivelle-Offensive eigens für Eisenbahngeschütze angelegt wurde und die beim Bahnhof von Rethondes von der Stammlinie abzweigte. Auf der Lichtung konnten die beiden Parteien jeweils mit einem Zug vorfahren und die Waggons hier tagelang stehenbleiben, ohne den regulären Eisenbahnverkehr zu stören. 

 

08. November 1918 - Um 9 Uhr morgens betrat die deutsche Delegation den militärisch zweckentfremdeten Eisenbahnwaggon des französischen Marschalls Foch, der die französische Delegation als alliierter Oberbefehlshaber führte. Den Verhandlungsrahmen be-

grenzte Foch eng. Den deutschen Vertretern wurde ein Zeitrahmen von 72 Stunden gesetzt und ihnen wurde nur der Dialog mit rangniederen Offizieren gestattet. 

 

09. November 1918 - Die offene Revolution erfasste das ganze deutsche Reich. In Berlin wurde die Republik ausgerufen. Kaiser Wilhelm II. floh ins neutrale Holland.

 

10. November 1918 - Den Deutschen erschienen die vorgeschlagenen Waffenstillstandsbedingungen als sehr hart, doch die Delegation der Entente-Mächte ließ Einwendungen nicht zu. Erzberger suchte Rücksprache in Berlin und wurde von Reichskanzler Friedrich Ebert nach Rücksprache mit dem Chef der OHL Hindenburg angewiesen, den Waffenstillstand zu jedweden Bedingungen anzunehmen. Hindenburg rechnete täglich mit dem völligen Zusammenbruch der deutschen Fronten und war in großer Sorge, doch noch militärisch kapitulieren zu müssen. So schrieb er: „In den Waffenstillstandsbedingungen muss versucht werden, Erleichterungen zu erreichen. Gelingt Durchsetzung nicht, so wäre trotzdem abzuschließen.“

 

11. November 1918 - Nach vier Tagen Verhandlung im Waggon mit der Nummer 2419 D wurde der Waffenstillstand für die Westfront um 5.20 Uhr unterzeichnet, der den Ersten Weltkrieg beendete. 

Erzberger sprach den stolzen Satz: „Ein Volk von 70 Millionen leidet, aber es stirbt nicht“. Marschall Foch antwortete: „Très bien“.

Der Waffenstillstand trat um 11 Uhr französischer Zeit in Kraft (12 Uhr deutscher Zeit) und galt zunächst für 30 Tage. Er wurde dreimal um einen Monat verlängert.

Der Erste Weltkrieg, dem mehr als acht Millionen Soldaten zum Opfer gefallen waren, war damit beendet. In den siegreichen Staaten gab es spontane Freudenfeiern.

 

1922 wurde in Frankreich der 11. November zum nationalen Feiertag der patriotischen Hochstimmung erklärt.

 

Noch heute wird jährlich in Frankreich und England diesem Tag gedacht - allerdings mit der klaren Ausrichtung auf die Betonung von Friedenssicherung und Völkerfreundschaft.

 

Der Veteranentag (Veterans day) wird jährlich auch in den USA am 11. November 11 Uhr  zelebriert. Hauptveranstaltungsort ist das Amphitheater auf Arlington Nationalfriedhof in Washington DC (Arlington National Cemetery’s Memorial Amphitheater).  Weitere Gedenkveranstaltungen finden in vielen weiteren Städten der USA statt.

 

(c) K.-P. Schambach


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