Sammlung von Informationen für einen Artikel im Freien Wort über die Erneuerung des Kreuzes an der letzten Ruhestätte von William M. Lewis am 25.07.26 im Thüringer Wald in der Nähe des Biathlon Zentrums am Grenzadler. (temporäre Seite, die bald wieder verschwindet bzw. noch mal umgebaut wird.)
Am 11.04.2026 kontaktierte mich Andreas Schönfeld aus Crawinkel. Er ist Ausbilder beim Thüringen Forst und nach einer Veranstaltung ist er zufällig im Wald auf das provisorisches Kreuz gestoßen. Kurznachricht: Kreuz eines US Air Force Piloten, wurde notdürftig an ein Stück Holz gebunden. Er fragte mich, ob ich etwas darüber weiß, da er wusste, dass ich mich mit der Geschichte unserer Heimt im 2. Weltkrieg beschäftige. Ich konnte ihn die gewünschten Hintergrundinfos geben, da ich den mittlerweile leider verstorbenen Matthias Leich noch persönlich kannte und gemeinsam mit ihm auch bei anderen Identifizerungen von Flugzeugabsturzstellen behilflich war.
Schnell war zwischen Andreas und mir klar, dass das Kreuz so nicht bleiben kann. Andreas hatte den Plan, das Kreuz zu erneuern aus Robinienholz in der Lehrwerkstatt in Gehren. Wir klärten gemeinsam mit dem zuständingen Forstamt für Oberhof sowie der Kriegsgräberfürsorge, ob wir einfach so eigenverantwortlich "Hand anlegen" dürfen. Schnell war klar, dass unserer privater Initiative nichts im Wege steht.
Das Kreuz war nun schon einige Zeit fertig. Es fehlte nur noch ein Termin für den geplanten Arbeitseinsatz. Am 22.7. traf ich nun meinen guten Bekannten Sascha Graf aus Arnstadt, der US Millitärfahrzeuge sammelt und und mit Freunden zum Bunkertreffen in Frauenwald am Wochenende war. Sascha ist regelmäßig auch dabei bei den Gedenkveranstaltungen an der Küste Frankreichs anläßlich des D-Day am 06.06.1944. Innerhalb von 3 Tagen wurde nun der Arbeitseinsatz geplant zusammen mit einer Gruppe von Oldtimern, dem Bürgermeister von Oberhhof (Daniel Fischer), Henrik Hug Landesgeschäftsführer beim Landesverband des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Thüringen, dem Ortsteilbürgermeister von Crawinkel (Heinz Bley) und weiteren Freunden und Bekannten, die sich für die Geschichte des abgestürzten US-Piloten interessierten.
Während Andreas Schönfeld das neue Kreuz aufstellte, erläuterte ich den Anwesenden die geschichtlichen Hintergründe und Details über das Schicksal des Piloten. Nach dem das Kreuz stand, richtete Herr Hug ein paar Worte an die Anwesenden und berichtete über die Aufgaben der Kriegsgräberfrsorge auch noch nach so langer Zeit nach Ende des Zweiten Weltkrieges, den Problemen bei der Bergung und Möglichkeiten zur Identifizierung. Gemeinsam mit dem Bürgermeister von Oberhof legte ich Blumen nieder und steckte eine kleine US Fahne vor das Kreuz und befestigte eine kleine Fotocollage mit Fotos des Piloten an das Kreuz. Herr Hug ergänzte die anderen 3 kleinen Holzkreuze die für alle Religionen stehen, welche die befeindeten Soldaten angehörten. Zum Ende unseres Treffen verlass Herr Hug das Totengedenken und bat die Anwesenden um eine Schweigeminute.
Das Feedback nach der Aktion war überwältigend. Der authentische Ort hatte eine besondere Wirkung auf die Teilnehmer und alle waren sichtlich ergriffen. Weitere Folgeaktionen wurden besprochen wie z.B. das Pflanzen einer Linde direkt am Ruheort, die Einrichtung einer Webseite und die Verlinkung über einen QR-Code zu allen notwendigen Informationen. Da es noch weitere solcher Absturzstellen im Oberhofer Wald gibt, ist es durchaus vorstellbar, dass unsere Aktion Fortsetzungen findet.
Wichtig war für uns alle, dass die Gesichter und Schicksale aller Piloten nicht länger verloren sind. Die deutschen Soldaten wurden sinnlos geopfert und speziell die US-Piloten gaben ihr Leben für unsere Freiheit und Demokratie sowie die Beendigung der Nazi-Diktatur in Deutschland. ____ „Ihr sollt nicht umsonst gestorben, sollt nicht vergessen sein!“ ____
(Thomas Mann zu den toten Widerstandskämpfern der „Weißen Rose“ in einer
Radioansprache der BBC am 27.06.1944)
Stichpunkte zur Luftschlacht am Himmel über Oberhof - 11. September 1944 - „Schwarzer Montag über dem Erzgebirge“, Hauptluftkampfgebiet östlich vom Fichtelberg, Hauptziel Ölraffinerien im sächsischen Schwarzheide
Mission 623 - 10 Primärziele, u.a. Leuna (Merseburg), Lützkendorf, Magdeburg, Misburg (Werk Deurag-Nerag), Hannover, Böhlen, Brüx, Ruhland und Chemnitz
Von Großbritannien aus waren 440 Jagdfluggzeuge der amerikanischen 55th Fighter Group und 1131 Bomber der 100th Bomber Group der US-Air-Force gestartet.
Als der Kampfverband den Ärmelkanal überquerte, wurde in Welzow bei Cottbus Alarm ausgelöst. Vom Fliegerhorsten Alteno und Welzow wurden 60 Jagdflugzeuge vom Typ Focke-Wulf Fw 190A und Messerschmitt Bf 109G, II. und III. Gruppe des Jagdgeschwaders 4 entgegengeschickt.
Gegen 11:40 Uhr waren Teile der amerikanischen und deutschen Jagdflugzeuge südlich von Oberhof in Thüringen in heftige Gefechte verwickelt. Eine Luftschlacht begann, die sich vom Thüringer Wald bis über das Erzgebirge erstreckte und in der die Deutschen klar unterlegen waren. Bei Oberhof stürzten allein 6 Deutsche und 2 amerikanische Jagdflieger ab, nur ein deutscher Pilot überlebte seinen Absturz.
Über Schmiedeberg überraschte das deutsche Jagdgeschwader die Bomber mitten in ihrem Langstreckenflug. Innerhalb kürzester Zeit konnten 14 US-Bomber abgeschossen und weitere beschädigt werden. Kurz darauf erreichten auch die US-Jäger das Geschehen. Sie verwickelten die zumeist jungen und unerfahrenen deutschen Jäger – oft ihr erster Kampfeinsatz – in aggressive Kämpfe und ermöglichten somit den verbliebenen Bombern den Weiterflug. Vier abgeschossenen US-amerikanischen Jagdflugzeugen stehen 37 Abschüsse von deutschen Jägern gegenüber.
14 US Bomber wurden allein über Schmiedeberg/ Kovarska abgeschossen
4 abgeschossene US Jäger standen 37 abgeschossene deutsche Jäger
84 junge Menschen verloren ihr Leben.
Auf dem Oberhofer Friedhof wurden nach dem 11. September 1944 symbolische Gräber für die deutschen und ein amerikanisches Opfer der Luftschlacht angelegt. Die Gräber tragen die Namen der getöteten Piloten, viele von ihnen sind leer, weil niemand die Leichen der Männer in den Wäldern suchte.
Um Oberhof stürzten am 11.09.1944 insgesamt 4 deutsche ME109 und 2 amerikanische P51 Mustang ab. Nur ein deutscher Pilot überlebte. Alle waren blutjung und gleichen Alters.
Wilhelm Wohlgemuth 04.07.1922 – 06.04.1978
Jakob Cryns 27.03.1923 – 11.09.1944 (Kreuz auf dem Friedhof Oberhof)
Günter Mechau 15.10.1924 – 11.09.1944 (Kreuz auf dem Friedhof Oberhof)
Johann Roth 04.12.1921 – 11.09.1944 (Kreuz auf dem Friedhof Oberhof)
William M. Lewis 18.01.1922 – 11.09.1944
Kennth I. Crawford 20.08.1920 – 11.09.1944
Unteroffizier Wohlgemut überlebte. Er sprang ab und riss sich dabei einen Arm ab. In einem kleinen Wäldchen nahe bei Crawinkel hing er mit seinem Fallschirm in einem Baum und wurde gerettet. Er überlebte den Krieg.
Linksammlung:
Denkmal am Grenzadler -> https://maps.app.goo.gl/mScVAj71h3Ka9nhC6
12.09.2004 - Der Gedenkstein für die Luftschlacht vom 11. September 1944 befindet sich im Wald in der Nähe des Grenzadlers am Biathlonzentrum Oberhof. Er liegt an einer Forststraße nahe dem Wanderweg, der in Richtung der Schutzhütte am Grenzadler. Am 12.09.2004 weihten gemeinsam die Stadt Oberhof, die US. AIR Force und das Museum Kovarska einen Gedenkstein ein - Zum Gedenken an die gefallenen amerikanischen und deutschen Piloten der Luftschlacht über dem Thüringer Wald am 11. September 1944
Luftschlacht über Oberhof bis zum Erzgerbirge am 11.09.1944
https://de.wikipedia.org/wiki/Luftschlacht_%C3%BCber_dem_Erzgebirge
20.08.2004 - https://gtgj.de/uncategorized/luftkampf-ueber-thueringen-im-herbst-1944-zeitzeugen-gesucht/
06.03.2003 - WSJ - https://www.wsj.com/articles/SB105484908470843600
06.11.2002 - Berliner Zeitung - Die verlorenen Gesichter
https://www.berliner-zeitung.de/article/matthias-leich-lebt-im-thueringischen-oberhof-tagsueber-arbeitet-er-bei-einem-versandhandel-danach-sucht-er-kriegsgefallene-in-den-waeldern-ich-kann-den-mann-doch-nicht-draussen-liegen-lassen-14073
Weiterer Artikel zum Thema
Luftkampf über Thüringen im Herbst 1944 – Zeitzeugen gesucht – vom 20.08.2004
Thüringer Waldbote – Ausgabe Nr. 19 Jahrgang 14 am 20.08.04
Überschrift: Zeitzeugen gesucht
Es ist der 11.09.1944, 11:30 und die Luft ist klar über Luisenthal. Etwas jedoch stört diesen vermeintlichen Frieden. Die Bewohner Luisenthals und benachbarter Orte sehen, was sich rund 5000 m über ihnen ereignet. Es ist der Beginn einer Luftschlacht, an deren Ende 84 junge Menschen ihr Leben lassen. Die Leute am Boden sehen, welche Tragödie sich am Himmel über dem Thüringer Wald abspielt. Brennende Flugzeuge stürzen zu Boden, Bordwaffenfeuer dröhnt und man sieht die Fallschirme derer, die gerade noch ihr brennendes Flugzeug verlassen können. Ein Flugzeug vom Typ ME-109 stürzt direkt am Ortseingang Luisenthal in den Wald. Es ist die Maschine des Unteroffiziers Jakob Cryns von der 2ten Sturm/ 3te Gruppe Jagdgeschwader 4 – Fliegerhorst Welzow. Er ist abgesprungen, jedoch aus zu niedriger Höhe. Sein Schirm verfängt sich in den Bäumen und Jakob Cryns schlägt mit dem Kopf gegen einen Baum. Er ist sofort tot. Sein Grab befindet sich heute auf dem Oberhofer Friedhof. Aber das war erst der Anfang. Viele junge Menschen ließen ihr Leben in diesen Minuten. Die Frage nach dem wofür kann man nur teilweise beantworten. Nicht jeder deutsche Soldat war ein „Stauffenberg“, aber jeder war ein Soldat. Daher denke ich, dass auch jeder Gefallene ein Grab verdient hat. Nicht anders ist es bei den Alliierten. Diese jungen Menschen waren keine eiskalten Bomberpiloten oder Killer. Sie gaben ihr Leben für unsere Freiheit und die Beendigung einer Diktatur. Mit Politik hat diese Arbeit sowieso nichts zu tun. Denn hier geht es um Humanismus und nicht um „gut oder böse“. Aber zurück zum 11. September 1944. Nun stürzten auch Günther Mechau (JG4), Crawford (55thFighterGroup-339 Figthersquadron der 8ten USAAF), William M. Lewis (55thFighterGroup-339 Figthersquadron der 8ten USMF) und Johann Roth (JG4) ab. Keiner von ihnen war älter als 24. Allein um Oberhof stürzten in diesen Minuten 6 deutsche ME 109 und 2 amerikanische P51-Mustang ab. Das Resultat waren 5 Tote auf deutscher Seite und 2 Tote auf amerikanischer Seite. Der sechste deutsche Pilot war Unteroffizier Wohlgemut. Er sprang ab und riss sich dabei einen Arm ab. In einem kleinen Wäldchen nahe bei Crawinkel hing er in einem Baum und wurde gerettet, überlebte den Krieg und verstarb 1999. Die Flugzeugabsturzstelle ist jedoch bis heute unbekannt.
Vielen konnten wir ihr Gesicht wiedergeben und haben sie aus der Anonymität des kalten Feldgrabes geholt. Wir konnten die Überreste der Toten bergen. Wie geht so etwas? Nur mit der Hilfe von Zeitzeugen, Archivmaterial und der Flugzeugseriennummern, die ich an den Aufschlagstellen fand. Diese Seriennummern verraten mir anhand von Archivmaterial, wer zuletzt mit diesem Flugzeug geflogen ist. Das ist sehr wichtig, da manchmal mehrere Flugzeuge sehr eng aneinander abstürzten. Leider kommt es auch vor, dass es kein Archivmaterial gibt. Da helfen dann oft nur noch Zeitzeugen. Der Monat oder das Jahr ist dann der ausschlaggebende Punkt.
Jedoch sind noch viele Fragen offen. Damit auch in Zukunft kein Fall ungeklärt bleibt, bitte ich besonders die ältere Generation, mir Hinweise zu möglichen Abstürzen im Landkreis Gotha / Oberhof / Suhl zu geben. Denn bedenken Sie, es gibt immer noch Angehörige, die gerne wissen möchten, wo ihre Lieben geblieben sind. Es waren schließlich junge Menschen, die ihr Leben gaben. Zeigen wir Ihnen, was sie uns auch heute noch Wert sind. Denn im Tod sind alle gleich. Übrigens weihen die Stadt Oberhof, die US. AIR Force und das Museum Kovarska am 12.09.2004 in der Nähe von Oberhof einen Gedenkstein für die gefallenen Piloten ein. Anwesend sind Veteranen dieser Luftschlacht aus den USA und Deutschland sowie die Tochter des Piloten Lewis. Dieser war vermisst und wir konnten ihn finden und bergen.
Matthias Leich